Von der Gründung bis in den Neunzigern

 

Die Gründung des Sportvereins

SG Blau Weiss Neuenhofe

 

Im Januar 1928 wurde von einigen Sportfreunden in Neuenhofe ein Arbeitersportverein „ Blau - Weiss “gegründet. Ewald Paasche, Hermann Könnecke und Ernst Kohnert waren einige Gründungsmitglieder des Vereins.

 

Auf dem Nachthutberg entstand der erste Sportplatz. Hier wurden von den Pionieren des Fußballsports in Neuenhofe eine Sportbaracke mit 2 Umkleidekabinen , ein Waschraum und ein Aufenthaltsraum geschaffen. Dazu erhielt die Gemeinde 2000 Mark aus Kreismitteln. In vielen anderen Gemeinden des Umkreises suchte man so etwas vergeblich ! Nur der Sportplatz war für spätere Verhältnisse nicht gerade ausreichend . Die Haldensleber Schüler spotteten damals: „ Wenn man sich auf eurem Platz unten hinlegt , kann man oben bei der Windmühle das Tor nicht mehr sehen“. In den Gründungsjahren stand Fußball an oberster Stelle . Mit den kräftigen , groß gebauten Landburschen des Vereins rechnete man sich große Erfolge aus. So zog auch Kapitän „Hermann“ mit seinen 11 Mannen nach Magdeburg zur dortigen Arbeitersportgemeinschaft , um es „den Leuten aus der Stadt mal zu zeigen“. Nach Überlieferungen aus dieser Zeit wurde auf der Hinfahrt mit dem Zug gesungen , was das Zeug hält. Der lange Hermann ging voran, er war stolz auf seine junge Mannschaft. Bei der Rückfahrt hat man gewartet bis es etwas dunkler wurde und fuhr dann heim, denn man hatte 28:0 verloren !

Dieses 28:0 im Jahr 1928 aber wurden die Geburtsstunde des Fußballsports in unserer kleinen Gemeinde . Man setzte sich zusammen im Vereinszimmer des Sportlokals „ Zum Preußischen Hof „ und beriet, wie man es in Zukunft besser machen kann. Diese Tradition hat sich bis heute erhalten und so wird auch noch heute in der Gaststätte „ Zum Preußischen Hof “ so mancher Sieg oder auch Niederlagen ausgewertet.

Regelmäßiges Training führte in den folgenden Wochen , Monaten und Jahren zu größeren sportlichen Erfolgen.. Am 31. August fanden die Kreisjugendwettkämpfe im Unterbezirk Haldensleben statt. Von den Knaben der Neuenhofer Schule erhielten Herrmann Rudolph , Ewald Bußmann und Fritz Pieper einen Preis.

Schon ein Traditionsturnier im Fußball der Männer , das im August 1928 vom Arbeitersportverein organisiert wurde , brachte bessere Resultate.

Mit den wachsenden Erfahrungen und Lehren , die man aus den ersten Spielen gezogen hatte , verbesserten sich die Ergebnisse. So stand man am Ende der dreißiger Jahre einem erfolgreichen Fußballverein gegenüber , der zum Beispiel bei den Entscheidungsspielen um die Gruppenmeisterschaft der Stadt- und Landmeisterschaft entscheidende Erfolge feierte.

 

Die vierziger Jahre

Die erfolgreiche Tradition des Sports in Neuenhofe fand in den vierziger Jahren ihre Fortsetzung . Mit dem Beginn des 2. Weltkrieges und der damit verbundenen Einberufung vieler Spieler aus Neuenhofe kamen die Aktivitäten des Vereins aber weitgehend zum Stillstand , denn ein regulärer Spielbetrieb konnte nicht aufrecht erhalten werden.

Durch viele gefallene und verwundete ehemalige Aktive des Vereins erwies sich auch der Neuanfang am Ende des Krieges als außerordentlich schwierig.

Mit dem Eintritt von vielen neuen Mitgliedern wird aber das Sportleben in Neuenhofe wieder aktiviert.

In diese Zeit fällt auch die Neugründung einer Gymnastikgruppe , die mit einigen Teilnehmern zum Turn- und Sportfest 1949 nach Leipzig reisten. Mit der Übungsleiterin Frau Knuth bereiteten sich Gertrud Kötge, Käthe Güldenpfennig, Hildegard Becker, Ilse Hildebrandt und Gerda Hebecker auf ihre Übungen vor.

Hier also liegt die Wiege der Gymnastiktradition in unserer Gemeinde.

 

Die fünfziger Jahre

Unter der Losung „ Für Gesundheit , Erholung und Lebensfreude , für Leistungsfähigkeit und Leitungsstreben , für Frieden und Sozialismus , treibt alle Sport - in Stadt und Land “ wurde auch der Aufbau von Sportgemeinschaften in der DDR unterstützt.

So wurde nach Kriegsende ein neuer Sportplatz an der „ Försterei “ gebaut. Aber auch da wollte kein Rasen wachsen und so diente der Platz später als Übungsplatz für die Reiter.

Rudi Ahrend und Helmut Lauterbach waren die Aktivisten dieser Jahre.

Nach Überlieferungen bildeten die Reiter 1954 eine eigene Sektion im Sportverein. Damit wurde an die lange Tradition der Reiterschaft in Neuenhofe angeknüpft.

Der Vater der Neuenhofer Reitbewegung Willy Pätz sorgte dafür, dass die beiden großen Abteilungen Fußball und Reiten zusammenwuchsen. Dabei wurde er von vielen jungen ehrgeizigen Burschen unterstützt.

Durch den unbeugsamen Siegeswillen und große Kameradschaft unter den Fußballern des Vereins stellten sich schnell wieder sportliche Erfolge ein. So wurde man bald Vizemeister hinter der Mannschaft der Kreisstadt Haldensleben. Im Jahr 1957 gelang im Fußball dann der große sportliche Erfolg. Mit einer jungen Mannschaft wurde man Kreismeister und Kreispokalsieger und bei den Aufstiegsspielen gegen die Kreise Gardelegen, Tangerhütte und Wolmirstedt konnte man sich durchsetzen und spielte 2 Jahre lang in der Bezirksklasse.

 

Die sechziger Jahre

Mit der Gründung der LPG „ Ernst Thälmann “ erlebte auch der Sportverein einen weiteren Aufschwung. Durch die finanzielle und materielle Unterstützung entwickelte sich die spätere Betriebssportgemeinschaft ( BSG ) „ Traktor “ Neuenhofe zu einem Sportverein mit einer großen Mitgliederzahl. 162 Sportlerinnen und Sportler gehörten damals dem Sportverein an.

Die noch junge Sparte des Reitens machte in dieser Zeit von sich reden. Mit engagierten Übungsleitern, wie zum Beispiel Dieter Quaschny an der Spitze, begann sich eine große Vielfalt im Reitsport zu entwickeln. Stand in den Anfängen der Reitbewegung das Kränzchenreiten oder solche traditionellen Veranstaltungen wie Kutschfahrten zu Himmelfahrt im Vordergrund, so entwickelte sich die Reitakrobatik mit dem späteren Voltegiersport an der Spitze zu einem weiteren festen Bestandteil in der Reitersparte. Auch diese Tradition hat sich bis heute in unserem Verein erhalten. Als viel bedeutender sind aber die Erfolge der Reiter bei Springprüfungen zu bewerten. Als Aushängeschild des Neuenhofer Reitsports galt in dieser Zeit Achim Pätz. Er hat den Reitsport mit seinen DDR Jugendmeistertiteln der Jahre 1965.1966,1968 und seinem Vizemeistertitel 1967 weit über die Grenzen Neuenhofes bekannt gemacht. So erlebte der Reitsport in dieser Zeit einen ungeahnten Aufschwung.

Mit dem Bau des Sportplatzes auf der heutigen Sportplatzanlage erlebte auch der Fußball in Neuenhofe seine sportliche Wiedergeburt. Nach dem Abstieg der Fußballmannschaft bis in die Kreisklasse erfolgte der Neuaufbau der Mannschaft. Innerhalb eines Jahres wurde der Aufstieg geschafft und man erreichte 1963 das Doppel - Kreismeister und Pokalsieger. Besonders verdient gemacht hat sich in dieser Zeit der Sportfreund Kurt Liwotto.

 

Die siebziger Jahre

Dieses Jahrzehnt kann durchaus als das erfolgreichste in der 70 jährigen Tradition des Sportvereins angesehen werden.

Mit der Erweiterung der Sportplatzanlage durch eine 100m Bahn , Sportlerheim mit 2 Umkleidekabinen , 1 Schiedsrichterraum , 1 Waschraum und einem Reitplatz mit dazugehörigem Richterturm konnte die Sportplatzanlage als eine der besten im Kreis bezeichnet werden.

Mit der Durchführung der Kinder - und Jugendspartakiade 1977 wurde der Reitplatz eingeweiht. So fanden die Aktivitäten der Mitglieder der Sektion Reiten in dieser Zeit ihren Höhepunkt.

Mit zahlreichen Erfolgen bei Turnieren wurde die erfolgreiche Tradition der Reitsportler fortgesetzt:

1970 Rüdiger Schöne Goldmedaille bei der Jugendspartakiade

1971 Edelgard Sittner DDR Meister der Jugend

1972 Heidi Hame DDR Vizemeister der Jugend

1974 Rolf Bergmann Republikssieger im Springen

1975 Werner König 3. Platz bei Jugendmeisterschaften

1977 Rüdiger Schöne Vize - DDR Meister

Mit dem erfolgsorientierten Übungsbetrieb gelang damit dem Sektionsleiter Dieter Quaschny ein entscheidender Durchbruch bei der Festigung der Reitertradition in Neuenhofe. Gleichzeitig muß auch erwähnt werden , daß die großen Erfolge nur durch die großzügige Unterstützung der LPG und der KAP möglich waren. Durch die Versorgung und Fütterung der Tiere sowie die Finanzierung der Fahrten zu den Meisterschaften und Turnieren wurde von den Betrieben dazu ein entscheidender Beitrag geleistet. Dazu kommen noch die unzähligen , fleißigen Hände anderer, die solche erfolge erst möglich machten.

Auch im Bereich des Fußballs setzten sich die Erfolge mit einer verjüngten Mannschaft fort. Zum 3. Mal in der Vereinsgeschichte wurde man 1971 Kreismeister. Gegen die Kreise Klötze , Jerichow und Tangerhütte wurde der Aufstieg nochmals für 2 Jahre geschafft. In den folgenden Jahren gehörte man zu den Spitzenmannschaften in der Kreisklasse und blieb dabei 16 Punktspiele hintereinander ungeschlagen. Zum Entscheidungsspiel um die Meisterschaft gegen Groß Santersleben erlebte Neuenhofe einen Zuschauerrekord. Bei 700 Fußballfans , die sich dies Spiel ansehen wollten, wurde selbst der sonst so routinierte Kassierer des Vereins, Ewald Paasche, nervös und musste sich mit Heini Ebeling und Willy Kraft Unterstützung bei der Kassierung holen. Anschließend meinte er, man müsste immer soviel Geld einnehmen, dann aber bräuchte man jemanden zum „Umschippen“ , damit das Geld nicht schimmelt. Einen großen Anteil am Erfolg der Mannschaft hatte in der Zeit der Sportfreund Reinhard Helmecke der mit der Forderung nach hartem Training und größere Leistungsbereitschaft die Leistungsfähigkeit der Spieler verbesserte.

Auch der Nachwuchs lebte von den Erfolgen der 1. Fußballmannschaft. Zahlreiche Jungen meldeten sich in dieser Zeit zum Fußball an. So hatte in dieser Zeit der Verantwortliche Übungsleiter, Erich Dielefeld, alle Hände voll zu tun, um die Nachwuchsarbeit zu organisieren. Im damaligen Abteilungsleiter Fritz Preuße fand er darin große Unterstützung.

 

Die achtziger Jahre

Die achtziger Jahre setzten die traditionellen Erfolge der stärksten Abteilungen im Sportverein „ Traktor “ Neuenhofe fort.

Es kommt zur Neugründung einer Gymnastikgruppe durch sportbegeisterte Frauen in unserer Gemeinde. Dadurch werden die Traditionen der Vergangenheit wieder belebt.

Im Fußball gehörte man weiter zu den Spitzenteams der Kreisklasse. Dank der guten Nachwuchsarbeit aus den Vorjahren erreichte man 1983 / 84 den Kreismeistertitel, scheiterte jedoch in den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse an anderen Mannschaften. Im Jahr 1987 gelang dann noch einmal der lang ersehnte Kreismeistertitel mit dem entsprechenden Aufstieg in die Bezirksklasse , wo man sich aber nur ein Jahr lang hielt. Der große Vater des Erfolgs war der langjährige Vereinsvorsitzende und gleichzeitiger Trainer der ersten Mannschaft , Klaus Kahse , der mit großem Engagement die Geschicke des Vereins und insbesondere der 1. Fußballmannschaft in dieser Zeit lenkte.

Dank der unermüdlichen Nachwuchsarbeit in der Sektion Reiten , wurden die Erfolge des Reitsports auch in diesen Jahren fortgesetzt.

Mit Kerstin Hebecker wurde 1984 eine weitere Reiterin aus Neuenhofe Vize - DDR Meisterin und auch mit der Volegiergruppe unter Leitung von Hanne Pätz wurde man Kreis - und Bezirksmeister.

Doris Bruchmüller , die als Mitglied der Abteilung Reiten für den Sportverein bei vielen Springturnieren startete , setzte die Erfolge der Abteilung Reiten bis zum Ende der 80er Jahre fort. Mit dem Bezirksmeistertitel der Jugend 1986 , der Junioren 1987 und einem 3. Platz bei den Damen war sie in diesem Zeitraum ebenfalls außerordentlich erfolgreich. Hinzu kam noch ein 4. Platz bei den letzten DDR - Meisterschaften 1990.

Am Ende der 80 er Jahre standen gewaltige gesellschaftliche Veränderungen , die sich auch auf den Sport in Neuenhofe auswirkten. Mit der Wende in der DDR und der späteren Herstellung der „ Deutschen Einheit “ fiel die Unterstützung der Betriebssportgemeinschaft durch die LPG weg. Damit fehlten wichtige finanzielle und materielle Grundlagen , die sich negativ auf die Entwicklung des Sports in Neuenhofe auswirkten. Gerade die kontinuierliche Nachwuchsarbeit stagnierte und der Sport geriet zunächst erst einmal zur Nebensache.

Für den Reitsport in Neuenhofe bedeutete dies, dass die Zahl der aktiven Reiter drastisch sank und für den Bereich des Fußball verringerte sich die Basis der Aktiven, gerade auch im Nachwuchsbereich.

 

Neunziger

Viel hat sich dann in den neunziger Jahren geändert. Aus der ehemaligen Betriebssportgemeinschaft „ Traktor “ Neuenhofe ist heute wieder die traditionelle Sportgemeinschaft „ Blau -Weiss “ Neuenhofe geworden.

Mit den 3 Abteilungen Fußball, Reiten und Gymnastik wurden die historischen Sektionen wiederbelebt. Neuerlich ist eine Abteilung Volleyball hinzugekommen.

Nur von großen sportlichen Erfolgen kann man aus dieser Zeit nicht mehr sprechen.

Im Fußballbereich hat sich die 1. Mannschaft aus der Ohreliga verabschieden müssen. Auch im Reitsport ist in den letzten Jahren kein Aktiver mehr zu einem Titelträger aufgestiegen.

Trotzdem hat sich die Basis des Vereins auf breitere Füße gestellt. Mädchen und Jungen großer Anzahl suchen Anschluß im Verein. Mit 5 Nachwuchsmannschaften nehmen wir im Fußball mittlerweile am Übungsbetrieb teil. Die ersten sportlichen erfolge stellen sich auch im Nachwuchsbereich ein , so daß man in der Perspektive guter Hoffnung sein kann.

Mit dem Neubau der Reithalle Pätz in der Nähe der Sportplatzanlage nehmen die Aktivitäten des Reitsports ebenfalls wieder zu . Mit traditionellen Kränzchenreiten und der Durchführung von Fuchsjagden wurde dazu bereits ein Anfang gemacht.

Mir der Durchführung der Festwoche zum 70jährigen Bestehen sollen nun auch wieder Reit- und Fußballturniere zu größerem Leben erweckt werden. Dies geschieht alles auf einer erweiterten Sportplatzanlage , wo jetzt neben einem Reitplatz auch ein weiterer Fußballplatz hinzugekommen ist. Mit über 250 Mitgliedern ist der Sportverein mittlerweile zu dem größten Verein in Neuenhofe geworden und hoffentlich fühlen sich viele Bürgerinnen und

Bürger von Neuenhofe durch die zahlreichen sportlichen Aktivitäten ebenfalls animiert, dem Sportverein beizutreten. Wir würden uns jedenfalls freuen und nehmen jeden gern auf , wie zum Beispiel eine komplette Fußballmannschaft aus Hillersleben im Jahre 1992.